Spendenaufruf! – Necesitamos ayuda!

Guten Tag geehrter Leser, heute gibt es anstatt einer spannenden Beobachtung oder einem unglaublich fesselndem Abenteuer ein Projekt, ein bestimmtes Projekt, das zur Umsetzung deine Hilfe aus Deutschland benötigt!

Unser Jahr hier in Sopachuy neigt sich nun leider schon dem Ende zu und wir Freiwillige aus dem Dorf würden gerne noch etliche Projekte mehr realisieren, doch gerade weil an vielen Stellen es an Zeit und vor allem an Geld mangelt, haben wir uns mit unserem Mentor Carlos, der im Rathaus arbeitet, zusammengesetzt und besprochen, wo am dringendsten Hilfe benötigt wird und wie sie am Besten investiert ist.

Ich habe mich mit meinen drei Mitfreiwilligen darauf geeinigt, dass wir den Fokus auf etwas was die Bildung angeht legen wollen, da die Bildung der Grundstein für eine bessere Kommunikation, weniger Gewalt und eine sozialere und vielversprechendere Zukunft ist.

Nun zur Sache, der Kindergarten sowie die Grundschule leiden an unglaublichen Wasserschäden, immer wieder entstehen neue Löcher in den Leitungen die provisorisch gestopft werden und es ist nur eine Frage der Zeit bis auch das letzte Waschbecken sowie das letzte Klo den Geist aufgeben, ganz zu schweigen von den zahlreichen Wänden die durch das austretende Wasser betroffen sind und langsam aber sicher vor sich hinsiechen und die Reparaturkosten in die Höhe treiben.

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Auf der anderen Seite in der weiterführenden Schule sind die Waschbecken betroffen, das Wasser fließt nicht ab sondern landet eins zu eins auf dem Boden, dementsprechend kann ich nach jedem Toilettengang oder jedem mal Händewaschen mit nasser Sohle in die nächste Unterrichtsstunde watscheln.

Für all diese Umstände hat das Rathaus kein Budget, eine Besserung der Lage ist aber dringendst notwendig, gerade bei Bildungseinrichtungen ist es unglaublich bedauerlich wenn sie mangels Geld über die Jahre verwahrlosen. Mit umgerechnet 1000€ wären jedoch alle Materialkosten sowie Personalkosten abgedeckt, da vor allem Arbeitskräfte hier im Vergleich zu Deutschland sehr günstig sind. Deshalb bitte ich dich uns und alle Schüler Sopachuys mit einer Spende zu unterstützen, jeder Cent landet wortwörtlich im Abfluss (War nur ein Witz, ok ich hör schon auf) und ich kann garantieren, dass wirklich jeder noch so kleine Beitrag uns weiterhilft die Situation in den 3 bolivianischen Bildungseinrichtungen zu verbessern.

Aus Sicherheitsgründen geben wir keine Kontodaten öffentlich an, bei Interesse bitte ich dich darum mich auf irgendeiner sozialen Plattform oder alternativ per Email unter peter@hoess.org zu kontaktieren. Du tust so mir und hunderten bolivianischen Schülern einen großen Gefallen und so kitschig es auch klingt, mit deiner Hilfe kann die Welt so ein Stück besser und vor allem sozialer sein.

Ich bedanke mich herzlich und wünsche dir einen wunderschönen Tag, Peter.

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Auf in mein neues Leben

Gut, zugegeben das komm jetzt ein bisschen spät, dennoch möchte ich ein ganz bestimmtes Kapitel meines Auslandsjahres mit euch teilen. Nichts lässt die Gedanken eines bestimmten Momentes besser widerspiegeln als ein Tagebuch, vielleicht mag das für euch kitschig wirken, aber für mich war das in dem Moment Realität. Versetzt euch in die Lage eines 18 jährigen Freiwilligens der kaum spanisch spricht, seit 3 Wochen in Bolivien ist und der nun zum ersten Mal alleine zu seiner Einsatzstelle und gleichzeitig zu seinem neuem zuhause fährt, zur „Teufelsinsel“, Sopachuy, Film ab.

Tagebucheintrag vom 02.09.2016 – 25. Tag in Bolivien – Fahrt alleine nach „Sopachuy“, mein neues zuhause für ein Jahr.

„Heute ist der Tag der Abreise. Ziemlich lange bin ich nun schon unterwegs gewesen.

Es gewittert.

Wenige Sekunden verstreichen bis der nächste Blitz den grauen Himmel zerreist. Regen prasselt unaufhörlich an die Glasscheibe nur wenige Zentimeter vor mir.

Der Motor springt an, nun ist es soweit, es gibt wirklich kein zurück mehr… Eigentlich will ich das ja auch nicht, aber die Geschichten von den zahlreichen Unfällen und Pannen bei Busreisen in Bolivien kreisen immer mehr in meinem Kopf. Wir fahren los.

Und mit wir meine ich mich und die andereren Sopachueños um mich herum. Alles nur fremde Gesichter und eine fremde Sprache. Trotzdem.. das Alles wird wohl mein neues Leben sein.

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Tatsächlich bin ich aufgeregt und mir ist ganz schön mulmig zumute. Wir fahren Stück für Stück vorwärts, der Verkehr stockt. Ok mir ist verdammt mulmig zumute. So hatte ich mir die Anreise in mein neues Leben nicht vorgestellt. Allein. Bei Weltuntergangswetter. Die Dürre ist eindlich vorbei, macht wohl Platz für einen Sturm, für mich wirkt das ehrlich gesagt nicht gerade wie ein gutes Omen.

Der Bus schaltet einen Gang hoch, wir werden immer schneller. Immer schneller verlasse ich das was ich kenne, dass worüber ich Kontrolle habe. Hinein ins Ungewisse, hinein ins neue Leben. Ich gehe geistig nochmal das Leben in Sucre durch.

Ja, es hat mir gefallen. Ich mag die Stadt, ich mag ihren Facettenreichtum und ihre verschiedenen Gesichter. Die bezaubernde Schön- und Einfachheit, sowie ihre nüchternen Schattenseiten.

Natürlich mag ich auch die anderen Freiwilligen, alle sind sie weltoffen und waren bereit den Sprung in eine andere Welt zu wagen. Es wird sich herausstellen wem es zu stürmisch ist, wer versuchen wird zurückzurudern, in sichere und bekanntere Gewässer. Aber nur wer sich dem Sturm entgegenstellt kann entdecken, endecken was hinter dem Sturm liegt. Oder man fängt an den Sturm zu meistern, ihn zu verstehen und mit ihm zu segeln und nicht gegen ihn. Vielleicht ist das Gewitter auch gar nicht schlecht, es bringt dich zu völlig ungeahnten Orten und sobald du den Wind verstehst, treibt er dich mit ungeahnter Kraft voran.

Wir verlassen die Stadt.

Ein kitschiger Sonnenstrahl durchbricht das Wolkenmeer und trifft mich, Ich muss lächeln.

Der Sturm war wohl ein gutes Omen. Na dann, bienvenido neue Welt!“

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Meine zweite Taufe – El bautismo

Wenn ich meinen Blog so durchgehe wird mir klar das dieser in der Zwischenzeit heimlich und langsam eine Transformation in einen Reiseblog durchgemacht hat. Das liegt daran das es für mich spannender und zugleich auch einfacher ist über ein bestimmtes Ereignis oder Erlebnis zu reden, als über die übliche Alltagsroutine, die aber mit Sicherheit den ein oder Anderen deutlich mehr interessiert als irgendwelche knuddeligen Alpakas. (Wobei ich mir ziemlich sicher bin das niemand etwas gegen Alpakas hat)

Trotzdem soll nicht der Eindruck entstehen das ich die ganze Zeit nur am Reisen bin, zu meiner Verteidigung, ich war bis jetzt lediglich in den Schulferien unterwegs, meiner Arbeit bin ich zu jedem Zeitpunkt nachgekommen.

Jedenfalls werde ich in Zukunft mehr über arbeits- und alltagsbezogene Themen berichten, deshalb schaut regelmäßig mal vorbei!

In der weiterführenden Schule in der ich arbeite „25 de Mayo“, ich weiß, vielsagender Name, gibt es die Tradition das die Schüler die das erste Jahr im Colegio sind ihre zweite Taufe erleben. Nun, und da es sich auch bei mir um mein „erstes Jahr an der Schule“ handelt, haben die Schüler sich das Vergnügen nicht nehmen lassen mich gleich mitzutaufen. Ich warne euch im Voraus, die folgenden Bilder können nicht gerade mit atemberaubender Eleganz bestechen, jeder schaut auf eigene Verantwortung. Und by the way, ich muss zugeben, dass unser Abisturm doch sehr harmlos ist im Vergleich.

 

Was für ein Spaß… Werde ich vielleicht in 10 Jahren sagen falls mich jemand fragt. In dem Moment wars eher interessant aber auch zutiefst verstörend.

 

Besonders gelungen ist natürlich der Lippenstift, aber sehr schön sind auch meine Augenbrauen, sowie der blaue Nagellack den es gleich obendrein umsonst dazu gab. Normalerweise sage ich das nicht, aber hier könnt ihr euch ausnahmsweise gerne mal ein Kommentar verkneifen.

Den Sinn dieser Taufe kann man durchaus hinterfragen, witzig war es auf jeden Fall. Ich frage mich wie die Eltern reagieren würden die schon mit dem sogenannten Abisturm einen Dorn im Auge haben, bei dem die Abiturienten den Schulalltag mal etwas aufwirbeln.. Ich bin mir jedenfalls sicher das noch niemand von etwas Wasser und Rasierschaum gestorben ist.

 

Funfact:

Noch am gleichen Tag findet ein Marathon statt und glaubt mir, 8 kilometer mit Steigung auf 2200 metern ist eine ganz schöne Nummer. Ich bin ein Kopf größer als meine Schüler und bin nur die letzten 4 kilometer mitgelaufen, das hat für mich aber schon ausgereicht!

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Die Goldmedaille geht witzigerweise an Deutschland, zumindest könnte man das denken da der Gewinner ganz stolz eine Alemania-Jacke trägt. (Alemania = Deutschland)

Camino de la muerte, Deathroad, oder auch die Todesstraße!

Kleiner Spoiler zu Anfang: Ich habe überlebt!

Für alle die jetzt enttäuscht sind, das Jahr ist ja noch lang!

Um einen ungefähren Eindruck von der „Deathroad“ zu gewinnen, sie verläuft 56 Kilometer durch die Yungas Region Boliviens. Sie startet auf einer beeindruckenden Höhe von 4700 meter und endet letztendlich bei 1200 meter, dass bedeutet, das man einen Abstieg von dreieinhalb tausend Höhenmetern innerhalb von ca. 60 Kilometern hinter sich bringt. 2006 kam man zu dem Ergebnis das jährlich 200 bis 300 Menschen in dieser Straße sterben. Dementsprechend gilt die Straße als die gefährlichste Straße der Welt und lockt besonders mit ihrem klangvollen Namen „Todesstraße“ viele Touristen an die via Mountainbike, wenn möglich lebend, versuchen die Strecke zu bewältigen.

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Und so sieht der Suicide Squad aus!

Neben mir Kumpel Freddy, sowie ganz hinten zwei Chicas die mit mir schon in Samaipata waren, hinter mir Chao-Chung (Mein Kumpel aus Taiwan, wir verstehen uns blendend und ja das ist wirklich sein Name, in 5 Jahren wollen wir uns gegenseitig besuchen kommen :D), links ein Peruaner und hinter ihm schlecht sichtbar noch ein Koreaner! Die Stimmung war klasse und wir haben uns echt gut verstanden!

Vor allem die wunderschönen Landschaften, von schneebedeckten Berggipfeln bis tropischen Dschungelpflanzen zum Ende hin machen die Tour zu einem grandiosen Abenteuer in Bolivien. Ich lasse aber mal besser die Bilder sprechen, schöne Aussichten kann man schließlich einfach nicht in Worte fassen.

 

Mein Lieblingsbild ist aber aufjedenfall dieses hier:

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Dank meiner fokussierten mentalen Energie muss ich meine Gegner nicht mal berühren um sie von einer Klippe fliegen zu lassen!

Total verrückt scheint mir, dass man anfangs mit Schneebällen herumwirft, aber am Ende der Strecke dann in Badehose in einen Pool springt um sich vor der drückenden Hitze zu retten. Wirklich beeindruckend wie sehr die Höhe das Klima beeinflusst!

Von Dakar, Alpacas und der Sonneninsel!

Endlich ist es wieder soweit! Sachen packen, Rucksack auf und schon kann es losgehen!

Ich spreche von meiner zweiten Reise, die Sommerferien sind noch lange nicht vorbei und reisen in Bolivien ist unglaublich preiswert. Also ab in einen Bus Richtung nordwesten. Meine Ziele? Erstmal die Stadt La Paz auskundschaften und dann weiter sehen.

Nochmal ein Reminder, in La Paz liegt der Regierungssitz, die Stadt hat dreimal mehr Einwohner und ist auch aus geografischer Sicht deutlich größer als Sucre, von „El Alto“, der Stadt um La Paz [Jep es sind tatsächlich zwei Städte, El Alto ist eine Stadt um die Stadt herum und hat sogar noch mehr Einwohner], ganz abgesehen, dennoch ist Sucre die kleine aber feine Hauptstadt.

Ok, genug von der Erdkunde Stunde und zu ein paar Eindrücken meiner Reise!

Erster Stopp: La Paz!

Wenn dich Rennsport interessiert ist dir „Dakar“ bestimmt ein Begriff. Seit 2009 findet diese internationale Wüstenrallye jährlich in Südamerika statt, 2017 ging es knapp 9000 km durch die Länder Paraguay, Argentinien und Bolivien.

Natürlich wusste ich davon, dass diese Rallye durch Bolivien läuft, aber ich hatte nicht im geringsten geahnt tatsächlich etwas von diesem Motorenhochevent mitzubekommen. Witzigerweise steht als Programmpunkt der Dakartour aber auch die Stadt La Paz auf dem Programm, in einer Straße vielleicht 200 meter entfernt von dem Hostel in dem ich mich zu dieser Zeit gerade aufhielt.

Weiter ging es dann anschließend an das Küstenstädtchen Copacabana.

Der aufmerksame Leser ist ratlos, wie kann Copacabana eine Küstenstadt sein wenn Bolivien doch gar keinen Anschluss ans Meer hat?

Aber der aufmerksame Leser, der ein solides geografisches Wissen hat, weiß, dass man gar kein Meer braucht für ein Küstenstädtchen wenn der entsprechende See groß genug ist!

Der normale Leser hat sich diese Frage wahrscheinlich erst gar nicht gestellt.

Egal, die Rede ist vom „Lago Titicaca“, auf deutsch der Titicacasee, der mit seiner Höhe von 3812 metern, einer Länge von circa 180 km und einer Breite bis zu 67 km der höchstgelegene beschiffbare See der Welt ist.

In diesem See liegt unter anderem die sagenumwobene Isla del Sol, hier soll Manco Capac, der erste Inka vom Sonnengott auf die Erde geschickt worden sein, um das Reich der Inka zu gründen. Außerdem soll dem Mythos nach die Sonne selbst auf der „Sonneninsel“ das Licht der Welt erblickt haben. Fest steht aufjedenfall: Dank der klimatisch günstigen Lage scheint hier fast immer die Sonne. Und tatsächlich erzählt man sich, dass sich im Jahre 2017 ein legendärer Freiwilliger mit seinem Freund Frederik Peter (sein Nachname ist wirklich Peter) aufmachte, um alle Sehenswürdigkeiten dieser sagenumwobenen Sonneninsel zu erkunden!

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Bitte alles mit dem entsprechendem Humor nehmen 😉

Los gehts mit den Abenteuern!

So ein Ausflug auf die Insel besteht aus viel Natur und viel wandern!

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Und eine bestimmte Sache darf natürlich auch                             nicht zu kurz kommen:

Einmal baden gehen im Titicacasee.

Bei einer Wassertemperatur von 11°C wohlgemerkt!

Vielleicht sehe ich deshalb so fröhlich auf dem Bild aus…

Einblicke: Samaipata – Parque Amboró – Santa Cruz

Die Sommerferien haben angefangen (Jep, es ist gerade tiefster Winter in Deutschland) und ich weiß die Zeit gut zu nutzen! Knapp 10 Tage war ich unterwegs und ein Tag war ereignisreicher als der Andere, eine super Zeit. Ich will euch nicht mit einem langem Text langweilen und lasse Taten.. ähm, Bilder sprechen!

By the way, zu allen Bildern gibt es einen kleinen Text, Smartphone User aufgepasst

Samaipata ist ein hübsches Dorf und aufjedenfall einen Abstecher wert!
Sehr eindrucksvoll sind die 9 km entfernten Inkaruinen „El fuerte“, die auch gleich unser erstes Tagesziel in Samaipata sind!

Die 9 km nahezu durchgehend bergauf fühlen sich in der Mittagshitze doch etwas länger an als sie sein sollten, umso besser dass wir uns ganz seelenruhig am nächsten Tag in den Cruevas – Wasserfällen entspannen können!

Samaipata und Umgebung war sehr eindrucksvoll, können die Tage die danach kommen damit überhaupt mithalten? Ich sage ja, sowas von!

Genug von meiner Wenigkeit, mehr Natureindrücke!

Ihr merkt schon, es gibt einiges zu sehen! Und vor allem ist Bolivien vielfältig wie kaum ein Anderes Land. Beweise? Gerne, denn es geht vom Dschungel in die Wüste.

So schön die Bilder auch sind, es war wirklich unglaublich heiß! Zum Glück konnten wir uns in einer Lagune in der Nähe abkühlen. Das Wasser war zwar nicht tief, aber bei so Temperaturen gibt man sich eben auch mit wenig zufrieden 😀

In Santa Cruz, übrigens die teuerste Stadt Boliviens, (Die Preise kommen einem schon fast deutsch vor, das heißt es ist wirklich teuer!) haben wir bei einem Freund übernachtet, der uns einige Zeit vorher zu sich eingeladen hatte, das war ein echter Glücksfall!

Auch erwähnenswert ist der Abstecher in den Zoo von Santa Cruz, dort ist dieses geniale Bild entstanden:

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The moment you look THIS tasty. Der Moment wenn man einfach nur zum Anbeißen gut aussieht.

Die Vögel fliegen im Vogelgehege frei herum und wenn du etwas Geduld zeigst überwinden sie auch schnell ihre scheu, dementsprechend ist das Photo nicht gestellt sondern war ein richtiger Schnappschuss! Für den Zoo kann ich aufjedenfall eine Empfehlung aussprechen, so große Spinne, Schlangen und sogar ein frei herumkletterndes Faultier werde ich garantiert nicht mehr oft in meinem Leben sehen!

Ich denke ich konnte ein paar Eindrücke der Reise vermitteln und vielleicht verstehst du inzwischen meine Euphorie für das Reisen. Kommen wir noch zu dem letzten Abschnitt der Reise, die Jesuitenkirche in Concepcion.

Insgesamt war die erste Reise sehr abwechslungsreich: Entspannung, Abenteuer und Kultur, es kam nichts zu kurz. Ein guter Vorgeschmack auf das was noch kommen soll. Nur schade, dass es schon vorbei ist. Aber kein Problem, die nächste Reise, diesmal in Richtung La Paz ist schon geplant! (In La Paz ist der Regierungssitz Boliviens, trotzdem ist Sucre die Hauptstadt!) Das heißt: Abwarten und die Festtage genießen! Ich halte euch weiterhin auf dem Laufenden 😉

Die Festkultur Boliviens

Es ist der Wahnsinn, wie kann man bitte als Deutscher verstehen, dass in der Grundschule die Stunden entfallen… Weil der Tag des Baumes ist? (Auch wenn es witzig klingt, am Tag des Baumes hatte die Grundschule keinen Unterricht)

Es ist nicht so das mir die Feste in Bolivien nicht gefallen, ganz im Gegenteil, ich finde sie großartig! Aber es ist kein Geheimnis, dass es gefühlt einfach für alles ein Fest gibt und diese auch entsprechend zelebriert werden müssen. Wie oft das vorkommt bekommt man als Lehrkraft aus Deutschland ganz schön zu spüren.

Bis jetzt mein Lieblingsfest wegen dem die Schule ausfiel:

Día de los Alumnos (Tag der Schüler): Kein Unterricht, viel besser: Frühstück, Mittagessen, Schülerspiele, Torte und Kakao, nachhause gehen.

Ein paar Eindrücke? Bitte sehr!

Kleiner Funfact:
Lustigerweise war das der erste Tag an dem mein strahlend weißes Hemd und meine Abiballkrawatte zum Einsatz kamen. Das war mit Abstand der ausgelassenste Tag, perfekt für so prüde Kleidung. Das bekam mein tolles Hemd direkt mal beim Mittagessen zu spüren. Möglicherweise habe ich was den Dresscode anging irgendwas ziemlich missverstanden, auch wenn ich mir bis heute sicher bin, dass die Lehrer sagten ich solle mich möglichst formal anziehen…
– Das Missverständnis lag an meinen bereits perfekten Spanischkenntnissen? – Neee.. No lo creo.

 

Abschließend möchte ich nochmal ein kleines Fazit ziehen.

Vielleicht mag dieser Tag sehr lächerlich wirken, die Lehrer, Respektpersonen, tanzen völlig ausgelassen in witziger Verkleidung vor allen Schülern?

Statts wertvollem Unterricht wird die Zeit mit kindischen Spielen und Wettbewerben verschwendet?

Zwei Oberstufenschüler haben einfach Bock drauf und ziehen eine stumpfe (aber trotzdem erstaunlich gut gelungene) Clownnummer vor all ihren Mitschülern ab?

Später rappt ein Schüler auf den Beat eines spanischen Rappers. Zugegeben, es war wirklich nicht gut, aber was passiert beeindruckt mich sehr. Keiner macht sich über den leicht dicklichen Jungen der gerade vor ihnen steht lustig, nein im Gegenteil, alle feiern es! Alle applaudieren und pfeifen, als er zu seiner Klasse zurückkehrt feiern ihn alle, sogar die coolen der Klasse.

 

In Deutschland hab ich die Angst mich zu blamieren nur sehr langsam abgelegt, und dass habe ich nicht meiner Schulzeit zu verdanken.

Die Schüler lernen hier, dass sie sich für nichts schämen müssen. Man gibt einfach sein Bestes und wenn irgendwas nicht funktioniert, macht nichts, denn zumindest hat man es versucht…

Die Konsequenz ist also ganz klar!!!

Wir brauchen mehr Feste! Wir müssen den Tag des Baumes und den Tag des Schülers einführen!

 

Nein, natürlich nur Spaß. Aber trotzdem, auf mich wirkt es, als sei dies etwas, dass die deutschen Schulen und Lehrer selbst noch lernen müssen.

Das erste kleine Abenteuer: Die Reise nach Pampas Punta

Gleich vorneweg: Die meisten Freiwilligen halten sich in der Nähe von Sucre auf. Man kann also sagen, wenn Sopachuy eine 5-Stunden Fahrt von Sucre entfernt ist, sind wir ziemlich zentral!

Ja die Zeiteinheiten für Busfahrten oder allgemein Reisen haben einen etwas großzügigeren Maßstab, kein Wunder, Bolivien ist geografisch dreimal größer als Deutschland. Und bei der Infrastruktur erst recht, geteerte Straßen in gutem Zustand? Der reguläre Autofahrer ist geschockt, Sopachuy expandiert förmlich mit circa drei geteerten Straßen!

Zurück zur Geschichte. Wir hatten insofern Glück mit unserem Aufenthaltsort, dass Alcalá, ein Dorf mit drei anderen deutschen Freiwilligen, einen Fußmarsch von circa 5-6 Stunden entfernt ist. Wie sich herausstellte ein richtiger Glücksfall, denn als Konsequenz haben wir die nächsten sieben Wochenenden immer mit Team Alcalá verbracht!

Für unser erstes Zusammentreffen wollten wir uns vorsichtshalber erstmal in der Mitte treffen, in einem Dörfchen (wirklich nur ein Dörfchen, gefühlt gibt es 30 Lehmhäuser und das wars!) namens Pampas Punta.

Also: Rucksack auf und losgehts!

Schon nach circa einer Stunde begegnen wir einer alten Frau, mit einem lebenden Huhn unter ihrem Arm geklemmt. Diese freute sich riesig uns zu sehen und auf die Frage: Wie lange dauert’s noch nach Pampas Punta? Antwortete sie uns eine knappe halbe Stunde. Cool! Fast da!

Nach eineinhalb weiteren Stunden laufen in der Mittagshitze ist immer noch keine Spur von Pampas Punta. Solangsam fangen wir an dem Weg und dem Urteilsvermögen der Oma zu zweifeln, doch in dem Moment kommt es zu unserer Rettung, wir hören Motorengeräusch! Es muss einen ziemlich lustigen Eindruck gemacht haben, als vier weiße Freiwillige wie verrückt mit den Armen einem vorbeifahrenden Getränkelaster zuwinken.

„Podrias llevarnos hasta Pampas Punta?“

„Si.“

Ungefähr so simpel hat sich der Dialog mit dem Fahrer abgespielt, also rauf auf die Ladefläche und ab gehts!

Auf einer Ladefläche stehen, Fahrtwind abbekommen und die Kilometer fahren die man sonst durch die Mittagshitze zu Fuß laufen müsste, gibt es was schöneres? 😀

In Pampas Punta kann man nicht gerade Sightseeing betreiben, wie gesagt, es gibt nur ein paar Häuser, aber im Schatten machen wirs uns bequem und warten darauf das Team Alcalá noch eintrifft.

Zum Glück sind die Kinder sehr freundlich und neugierig und wir können unsere Zeit zusammen vertreiben. Ein paar Stunden später schafft es auch das Team aus Alcalá, dass etwas auf Umwege geraten ist, da es eine falsche Abbiegung genommen hat!..

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Wiedervereinigung von Team SopaA (Dieser Name fällt in verschiedenen Konstellationen wahrscheinlich noch öfters) mit Stil. Eintreffen der drei In Pampas Punta bei Sonnenuntergang!

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Zugegeben, es ist vielleicht nicht das hübscheste Gruppenbild, aber nach so einer Tour kann man uns das denke ich verzeihen 😀

Die einheimichen Kinder helfen uns noch ein Lagerfeuer zu machen und gesellen sich zu uns, 7 deutsche Freiwillige sind wahrscheinlich so ziemlich das Highlight der Woche in dem Dörfchen, in dem anscheinend ansonsten nicht allzu viel passiert.

Wie gesagt verbrachten wir sieben Freiwillige ab jetzt so ziemlich jedes Wochenende zusammen, mal in Alcalá, mal in Sopachuy und ab und an auch mal in Sucre. Wir haben schon vieles zusammen erlebt und deshalb ist es auch kein Wunder, dass wir ein paar Monate später die Weihnachtsfeiertage zusammen verbringen. Quasi als Voluntario Familie 🙂

Erste Eindrücke von Sopachuy

In Sopachuy angekommen, zieh ich zum ersten mal mit meiner Kamera los und diese Bilder sind die Ergebnisse.

Ich muss gestehen, dass das kleine Dorf mich nicht gleich am ersten Tag durchs einmal hindurchlaufen überzeugt hat. Keine Angst, ich lerne das Dorf jeden Monat mehr zu lieben, auch wenn es definitiv seine Eigenarten hat, die einem Deutschen, der neu in Bolivien ist, doch sehr befremdlich erscheinen können haha 😀

Viva Bolivia!

Nach einem Aidstest, Durchleuchtung meiner Akten bei Interpol, (bolivianisches Interpol wohlgemerkt, jeder kann ungehindert einfach so ins Interpol-Büro reinspazieren), unzähligen Fingerabdrücken, irgendwelchen Gebühren bei denen wohl keiner genau weiß wo die wirklich landen und einigen Besuchen bei Advokaten und Notaren, hab ich’s geschafft!

Wahnsinn, denke ich mir, soviel Aufwand und Arbeit um ein einzelnes Stück Plastik und ein paar Unterlagen.

Aber ich bin ein bolivianischer Staatsbürger, naja nicht ganz, aber zumindest sowas in der Art und ich habe mein Aufenthaltsrecht für mein Jahr als Voluntario (Freiwilliger) hier! Ich kann also mit stolz meinen neuen bolivianischen Staatsausweis in Händen halten!

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Kleiner Spoiler: Da ich öfters mal Klausuren meiner Schüler unterschreiben musste, sah ich mich auf die Dauer dazu verpflichtet eine… seriösere Unterschrift zu entwickeln, die einem Lehrer mehr gerecht wird. Das Gekrakel unten rechts spiegelt also nicht wirklich die volle Pracht meiner aktuellen Unterschrift wider.. 😉